Herbert Kappler, 1934-1938 Gestapo-Chef in Tübingen, ab 1943 als Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SS von Rom verantwortlich für die Deportationen und Erschießungen von Geiseln (Foto: Wikipedia).

Tübingen war ein Hort für Nationalsozialisten – vor, während und nach den Jahren von 1933 bis 1945. Die Universitätsstadt am Neckar stellte ein Zentrum des Nationalsozialismus im deutschen Südwesten dar. Aus ihr kamen, in ihr lebten und wirkten unterschiedliche NS-Akteure, von der Leiterin der örtlichen Reichsbräuteschule bis zum Reichsaußenminister und Reichsprotektor in Böhmen und Mähren, vom Kreisamtsleiter des Nationalsozialistischen Deutschen Lehrerbundes bis zum Stellvertreter des Reichsstudentenführers im Kriege, vom Leiter des Rassenbiologischen Instituts der Universität Tübingen bis zum SS-Einsatzgruppenführer im Baltikum.

Angeregt von der Publikation des Buchs Stuttgarter NS-Täter: Vom Mitläufer bis zum Massenmörder entschlossen sich Mitglieder des Vereins für ein Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus e.V. sowie der Geschichtswerkstatt Tübingen e.V., wenig bis gar nicht erforschte Biografien von Tübinger NS-Akteuren zu recherchieren. Denn trotz der zahlreichen Veröffentlichungen zu Stadt und Universität Tübingen im Nationalsozialismus und individuellen Biografien gibt es noch viele Forschungslücken. Das Projekt Tübinger NS-Akteure möchte versuchen, einige dieser Lücken zu schließen.

Martin Sandberger (1911-2010), 1933 Aktivist des NS-Studentenbunds in Tübingen, war ab 1941 für die Ermordung von hunderten Juden, Kommunisten und Sinti und Roma in Estland verantwortlich. (Foto: Wikipedia)

Ziel ist es, die Wirkungsweise des Nationalsozialismus genauer zu beleuchten. Es gab nicht nur Täter „mit Blut an den Händen“, sondern auch Propagandisten, Profiteure und Funktionäre, Männer wie Frauen. Sie alle trugen auf ihre Weise zum Funktionieren der NS-‘Volksgemeinschaft‘ und zur Entrechtung, Verfolgung und Ermordung jener Gruppen bei, die aus dieser ausgeschlossen werden sollten.